Internationaler Markt
Die Ölmärkte waren gestern vollauf damit beschäftigt, die drastischen Zollerhöhungen der US-Regierung zu verdauen. Gänzlich unerwartet kam dann die zweite Hiobsbotschaft: Das OPEC-Ölkartell beschleunigt den Abbau seiner Förderkürzungen und bringt deutlich mehr Öl auf den Markt als erwartet.
Nun mussten gleich zwei Prognosen angepasst werden: Die Ölnachfrage wird wegen des Zollkriegs deutlich schwächer ausfallen. Gleichzeitig wird das Ölangebot schneller steigen als erwartet.
Die Preisreaktion lag auf der Hand: Die Ölpreise brachen weltweit ein, noch verstärkt durch einen Crash an den Aktienmärkten. Techkonzerne wie Apple, Amazon oder Meta verloren in wenigen Stunden fünf bis zehn Prozent an Wert. Der Preis von Rohöl (Brent) sank von 75 Dollar je Barrel vor der Trump-Konferenz auf aktuell 69,2 Dollar je Barrel.
Damit ist das Jahrestief von Anfang März wieder erreicht. Auch vor vier Wochen löste eine Mischung aus Trump-Zöllen und erhöhtem OPEC-Ölangebot den Preisrutsch aus. Doch dieses Mal sind die globalen Veränderungen tiefgreifender.
Ölpreisoptimisten hoffen auf eine rasche Kurskorrektur in Washington und verweisen auf Kanada und Mexiko. Ausgerechnet die beiden Länder, die vor einem Monat im Zentrum des Zollkriegs standen, kommen jetzt vergleichsweise glimpflich davon. Trump wartet nun auf „phänomenale Angebote“ der Handelspartner. Dann sei er zu Zollsenkungen bereit. Im Fall von China, die aktuell mit Zöllen von 54 Prozent belegt sind, verknüpfte er das mit dem Verkauf der chinesischen Online-Plattform TikTok an einen amerikanischen Käufer.
Weniger spektakulär, aber für den Ölmarkt ebenso wichtig, ist der Kurswechsel der OPEC. Völlig überraschend kündigte das Ölkartell gestern an, sein Ölangebot ab Anfang Mai nicht wie geplant um 135.000 Barrel pro Tag zu erhöhen (0,1 Prozent des globalen Ölangebots), sondern sofort um 411.000 Barrel pro Tag.
Die Motive für diesen Schritt sind nicht ganz klar. Medien berichten, dass die Saudis damit OPEC-Mitglieder unter Druck setzen wollen, die seit vielen Monaten ihre Produktionsquoten überschreiten, also vor allem Kasachstan, aber auch Irak und Russland. Andere Quellen legen nahe, dass damit die Ausfälle durch die verschärften US-Sanktionen gegen iranische, venezolanische und russische Ölexporte ausgeglichen werden sollen. Wie auch immer: Die OPEC-Entscheidung wird das ohnehin erwartete Überangebot an Öl in diesem Jahr weiter erhöhen.
An den europäischen Ölbörsen kostet Brent-Rohöl aktuell 69,22 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 66,00 US-Dollar je Barrel. Rotterdamer Gasoil notiert bei 643,00 Dollar je Tonne. Der US-Dollar ist 0,9036 Euro wert. Damit steht der Euro bei 1,1067 Dollar.
Nationaler Markt
Der Heizölpreise fallen am Morgen auf ein neues Jahrestief. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt einen landesweiten Durchschnittswert von 89,6 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter).
Sinkende Ölpreise und der immer stärkere Euro machen den Preisrutsch möglich. Die Pegel auf dem Rhein fallen zwar weiter, aber die Probleme für den deutschen Heizöl/Diesel-Markt halten sich bisher im Rahmen.
Die Nachfrage reagiert bereits. Die Bestellmengen kletterten gestern auf überdurchschnittliche Werte. Das Schwarm-O-Meter, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst, hat sich noch nicht bewegt. Aber das könnte sich bald ändern. Zumindest legt der Preisoptimismus zu: Die täglich ermittelte Lesereinschätzung zeigt, dass jetzt knapp 90 Prozent der Stimmen auf weiter fallende Preise setzen.
Fazit: Im Moment weht „The Perfect Storm“ im Ölmarkt. Die Ölnachfrage steht unter Druck, während das Angebot steigt. In den nächsten Tagen werden wohl reihenweise die Marktprognosen und Preisziele angepasst. Und Trump regiert erst seit zwei Monaten…
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Ab dem Jahr 2027 könnten die CO2-Abgaben für Heizöl steil steigen. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Quelle: esyoil